Jan 122018
 

 

Jetzt kommen die Kinder. In der Grundschule Wangen versammeln sich Zweit- bis Viertklässler unter erwartungsvollem Gemurmel. In der bevorstehenden Stunde werden sie kunstvoll und kindgerecht mit der Lebensgeschichte der Gebrüd

er Grimm verwoben, deren Märchensammlung Generationen von Kindern eine gemeinsame kulturelle Basis verschafft hat. Wie sehr sie heute noch zu faszinieren versteht, beweist das Duo „2Gleis“ mit dem Stück „Das Märchen von den Brüdern Grimm“, das die Schulleiterin Isolde Meinel als einen „etwas anderen Nachmittagsunterricht“ ankündigt.

Wie der Titel nahelegt, wird die Biographie selbst als ein Märchen inszeniert, aus einer Zeit „wo das Wünschen noch geholfen hat“. Das Stück lässt miterleben, wie die anfänglich jugendliche Begeisterung der Brüder Wilhelm (Petra Christ) und Jakob (Birgit Schuck) für Märchen durch ihr intensives Zusammenwirken in ihrer Märchensammlung zu einem wahrhaft europäischen Projekt anschwillt, in das nicht nur viele Erzähler und Erzählerinnen aus dem Volke -als beispielhafte Figur die Märchenerzählerin Dorothea Viehmann (Petra Christ)- sondern nach und nach auch zeitgenössische Geistesgrößen wie Clemens von Brentano, Achim von Arnim oder Johann Wolfgang von Goethe involviert werden. Es zeigt das lebenslange, an Werten orientierte Ringen der Brüder um die Bewahrung dieses kulturellen Erbes, um schöne Formulierungen und um die Weiterentwicklung der deutschen Sprache.

     

Dabei kommt der zunächst etwas sperrig erscheinende Stoff federleicht daher. In Dialoge zwischen den Brüdern wehen immer wieder ihnen zugetragene Märchen herein- z.B. als einfache Erzählung,  als Rollenspiel, als szenische Lesung, gesungen und mit Bildern unterlegt oder als Kasperltheater. Neben bekannten Klassikern (z.B. Dornröschen, Froschkönig, Sterntaler) sorgen auch weniger bekannte Märchen für Überraschungen. Wer kennt schon das „Märchen vom Böhnchen, vom Köhlchen und vom Hälmchen?“ Und wer schmunzelt nicht über Namen wie „Pif Paf Poltrie“ und „Schwester Käsetraut“? Schon mal gehört?

   

 

So fesselt das auf der Basis sorgfältiger Recherchen selbst entwickelte Stück immer wieder aufs Neue. Dazu trägt auch das berückend schöne Bühnenbild bei. Die beiden Akteurinnen Petra Christ (bildende Künstlerin und Musikpädagogin) und Birgit Schuck (Schauspielerin und Regisseurin) haben aus der Lebensgeschichte der Brüder Grimm ein im ursprünglichen Sinne romantisches Gesamtkunstwerk gemacht, in dem nicht nur Literatur und Musik, sondern auch bildende Kunst untrennbar miteinander verschmelzen und auch die Grenzen zwischen Realität und Märchen verschwimmen.

 

Die Kinder danken`s ihnen mit Interesse und anhaltender Konzentration. Im Unterricht und zu Hause werden sie viel zu erzählen haben.

Weitere Infos zu dieser Aufführungen und anderen Produktionen des Duos finden Sie unter www.2gleis-theater.de

Jutta Killmann